Kategorie: Restaurierungsbeispiele

  • Restaurierungsbeispiel: Ein historisches Sprossenfenster kehrt zurück ins Leben

    Manchmal sieht man einem alten Bauteil nicht mehr an, dass es noch zu retten ist. Dieses Sprossenfenster aus einem Fachwerkhaus bei Koblenz war so ein Fall: Über die Jahre hatte Feuchtigkeit die unteren Ecken und den unteren Querfries komplett zerstört. Für viele wäre das ein Fall für den Container gewesen. Für mich war es der Anfang einer Restaurierung.

    Die Ausgangslage

    Wasser sammelt sich an einem Fenster immer dort, wo es am meisten schadet: unten. Der untere Querfries und die beiden unteren Eckverbindungen waren von Nassfäule durchzogen, das Holz an diesen Stellen mürbe und tragend nicht mehr brauchbar. Die alte Farbschicht blätterte, die Schlitz-und-Zapfen-Verbindungen in den Ecken hatten ihren Halt verloren.

    Der ausgebaute untere Querfries, an beiden Enden durch Feuchtigkeit zerstört.

    Gesamtansicht: Während die oberen Sprossen und der Großteil des Rahmens erhalten sind, ist die untere Ecke vollständig zersetzt.

    Detail der Eckverbindung: Hier ist von der ursprünglichen Substanz nichts mehr zu retten.

    Die Entscheidung: erhalten statt ersetzen

    Ein neues Fenster wäre schneller und einfacher gewesen. Aber damit wäre die gesamte gewachsene Substanz verloren gegangen – die alten Sprossen, das originale Profil, die Patina von über hundert Jahren. Mein Ansatz war ein anderer: nur das ersetzen, was wirklich zerstört ist, und den Rest des Originals bewahren.

    Die Restaurierung

    Die zerstörten Bereiche habe ich sauber bis ins gesunde Holz herausgearbeitet und neues Kiefernholz angeschäftet. Bei einer Anschäftung wird das neue Holz auf einer langen Schräge mit dem alten verleimt – das verteilt die Last und macht die Verbindung dauerhaft tragfähig, anders als ein stumpf gesetztes Stück.

    Für jede Stelle habe ich das originale Profil neu gefräst, damit die ergänzten Bereiche sich nahtlos in das alte Profil einfügen. Die Eckverbindungen wurden mit neuem Schlitz und Zapfen wiederhergestellt, sodass das Fenster auch konstruktiv wieder das ist, was es einmal war.

    Die wiederhergestellte Ecke: neu angeschäftetes Holz, frisch geschnittenes Zapfenloch.

    Die Schäftung im Detail – der schräge Übergang von neuem zu altem Holz, mit nachgefrästem Profil.

    Das Ergebnis

    Der fertig instand gesetzte Flügel: untere Friese und Ecken neu, oberer Bereich und Sprossen original erhalten.

    Nach dem Schleifen und einem neuen Leinölanstrich ist das Fenster wieder voll funktionsfähig – und hat dabei seinen Charakter behalten. Das, was die Geschichte des Stücks ausmacht, ist geblieben. Ersetzt wurde nur, was nicht mehr zu retten war.


    Sie haben ein altes Fenster, eine Tür oder ein Bauteil, das Sie für verloren halten? Oft ist mehr zu retten, als man denkt. Sprechen Sie mich an – lassen Sie uns gemeinsam Geschichte bewahren.